Aktuelle Seite: StartseiteKolumnenLandesblog - Wochenendausflug-Schock in Dresden

Anzeige

Wirtschaftsuniversität Prag VŠE

Landesblog - Wochenendausflug-Schock in Dresden

Logo: Landesblog groß

Wie viele Tschechen, die in der Nähe der Grenze zu Deutschland wohnen, unternahm ich einen Wochenendausflug in die sächsische Hauptstadt Dresden mit dem Bus aus Prag. Die Fahrt dauert keine zwei Stunden und ist, solange man früh genug bucht, sehr preiswert.

Da an diesem Wochenende das Dresdner Stadtfest unter dem Namen „Canaletto“ stattfand, war die Stadt beginnend von Kirmes, in der Nähe der ehemaligen Zigarettenfabrik Yenidze, entlang der Elbe und durchgängig durch die Altstadt bis zum Hauptbahnhof rammelvoll. Die Stadt bildete ein riesiges, zusammenhängendes Fest. Immer wieder hörte man Menschen tschechisch sprechen, was die Beliebtheit dieser Stadt unter Tschechen mir persönlich nochmal verdeutlichte.

dresden2

Nach unzähligen gelaufen Kilometern und eigenständigen Besichtigungen des Zwingers, des Residenzschlosses, der Frauenkirche, der 101 Meter langen Kreuzzug-Wand aus Meißener Porzellan und der Frauenkirche verschlug es mich mit meiner Begleitung in eine der vielen Bars in der Nähe des Altmarktes, um uns auszuruhen und – in meinem Fall – sich ein Fußballspiel anzuschauen. Nachdem ich fast ein ganzes Jahr aufgrund meines Studiums und Praktikums in Prag gelebt habe, wurde ich von der Speisekarte regelrecht erschlagen, als ich feststellen musste, wie sich der Preis aufgrund der nur fast zweistündigen Fahrt mit dem Bus verändert hat. Ein Bier kostet plötzlich das Vierfache und ein einfaches Essen kostete um die zwölf Euro, also das Doppelte. Mein Hunger verschwand und mein Durst verflog.

dresden3

Danach fragte ich mich wie es sein kann, dass sich ein Preis bei einer Luftlinien-Entfernung von etwa 120 Kilometern so verändern kann. Wenn es um andere Güter wie Textilwaren, Autos oder Lebensmittel in Supermärkten geht, zahlen Tschechen oftmals dieselbe Summe wie in Deutschland und das obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Deutschland durchschnittlich mehr als doppelt so groß ist wie in Tschechien.

Im Jahre 2016 betrug das BIP pro Kopf in Tschechien 18 267 USD und in Deutschland 41 936 USD (Quelle: Weltbank). Tabellarisch belegt Tschechien damit weltweit den 41. Platz und Deutschland den 19. Platz, was für einen Nachbarstaat einen großen Unterschied ausmacht. Andere Nachbarländer wie Frankreich oder Österreich haben mit 38 128 USD und 44 498 USD BIP pro Kopf ein ähnliches BIP pro Kopf wie Deutschland. So ist festzuhalten, dass trotz des viel geringeren Wohlstandes die Preise für die bereits genannten lebenswichtigen Güter und auch weitere Dinge wie Waschmaschinen, Küchen oder Möbel in beiden Nachbarländern meist den gleichen Preis haben.

dresden4

Dieser Unterschied zwischen dem BIP pro Kopf zwischen Deutschland und Tschechien veranschaulicht das Ungleichgewicht, welches seit der Samtenen Revolution 1990 in der damaligen Tschechoslowakei anhält. So ist es der tschechischen Republik nach mehr als 25 Jahren nicht gelungen sich vom damaligen Sozialismus sowjetischer Bauart zu erholen und mit dem Westen Europas – wie auch Deutschland – finanziell mitzuhalten, was sich im BIP widerspiegelt. Das bringt nicht nur ein finanzielles Ungleichgewicht, sondern auch eine Abgrenzung der Gesellschaft hervor. Nicht alle Tschechen können sich in Deutschland, aufgrund der immensen Preise für Essen, Hotels und Eintritte für Veranstaltungen oder Sehenswürdigkeiten einen Urlaub nicht leisten und reisen lieber in die preislich erschwinglicheren Balkanländer. Für Deutsche dagegen ist Tschechien ein kostengünstiges Urlaubsland.

Zwar hat sich das BIP in Tschechien seit der Revolution um ein zehnfaches gesteigert, dennoch hinkt man dem Westen inklusive Deutschland immer noch hinterher. Da die EU eine Gemeinschaft bilden soll, würde sich zunächst der Versuch anbieten, das BIP pro Kopf in den nächsten Jahren weiter anzugleichen, um sich aufgrund von finanziellen Unterschieden nicht abzuheben und somit in gewisser Weise trotz EU-Bündnis voneinander abzugrenzen.

dresden1

Nach einem schönen Wochenende in Dresden war ich sehr froh als unbezahlter Praktikant mit etwas Auslandsförderung nach Prag zurückzukehren und aß abends in meiner Stammkneipe eine deftige Ente für sechs Euro.

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

Liselotte Pulver
Liselotte Pulver: „Ein Prominenter ist ein Mann, der es sich leisten kann, sich nichts zu leisten.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.