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Zeugnis gotischer Baukunst

Foto: Burg Pürglitz - Bild: Margit Řehoříková

Die Landschaft Mittelböhmens umschließt Prag wie ein Ring und ihre Geschichte gehört zu den ältesten Böhmens. Zwei große Flüsse, die Moldau mit ihren Nebenflüssen Sasau (Sázava) und Beraun (Berounka) und die Elbe (Labe) mit der Iser (Jizera) bilden natürliche Achsen. Das Tal der Beraun, die sich zwischen ausgedehnten Wäldern hindurch schlängelt, hat auch heute noch nichts von seiner Romantik eingebüßt. Hier kündet auch die Burg Pürglitz (Křivoklát) von Königswürden und Häftlingsleid.

Inmitten tiefer Wälder, etwa fünfzig Kilometer westlich von Prag und dreizehn Kilometer südöstlich von Rakonitz (Rakovník) erhebt sich über einem steilen Felshang die Burg Pürglitz. Sie gehört zu den am besten erhaltenen gotischen Burgen in der Tschechischen Republik. Ihr schlanker Bergfried ragt über einen dreieckigen Burghof empor, den zahlreiche in späteren Jahrhunderten entstandene Gebäude umsäumen. Bereits um das Jahr 1100 wird die Burg in der Kosmas-Chronik erwähnt. Anstelle der steinernen Burg stand hier einst eine hölzerne Jagdburg der Přemysliden, denn die umgebenden Wälder boten reichlich Gelegenheit zur Jagd.

Wandelbare Burg

Die Burg Pürglitz war aber auch eine Feste, die Prag gegen Einfälle von Westen her schützte. Es war eine Stätte von Festen, gelehrter Disputationen und geheimer diplomatischer Verhandlungen. Sie diente aber auch als Gefängnis. Im Burgverlies wurden bedeutende Persönlichkeiten wie zum Beispiel im 16. Jahrhundert der Bischof der Böhmischen Brüdergemeinde, Jan Augusta, und der englische Abenteurer Edward Kelley, ein prominenter Alchimist im Dienste Kaiser Rudolfs II., gefangen gehalten.

Der mächtigste Přemyslidenfürst Přemysl Otokar II. (1230-1278) und sein Sohn Wenzel II. (1271-1305) weilten gern auf dieser Burg. Karl IV. (1316-1378) verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit und lebte hier, eine Zeit lang nach seinem Aufenthalt in Frankreich, mit seiner Gattin Blanka von Valois, bevor die Burg Karlstein (Karlštejn) errichtet wurde. Hier erließ er unter anderem das Dekret über die Gründung der Prager Neustadt. Auch bei weiteren politischen Geschehnissen des Landes spielte die Burg eine gewisse Rolle. Während der Hussitenkriege blieb sie in den Händen der Anhänger Sigismunds.

Ihre Gestalt, die bis auf kleine Veränderungen bis heute erhalten geblieben ist, erhielt die Burg unter Ladislaus II. Jagiello (1456-1516) und seinem Sohn Ludwig. Alle Epochen der Gotik sind in der Burg  vertreten, der Palast und die Burgkapelle sind frühgotisch, die während der Spätgotik entstandenen Hauptgebäude gehen bis auf die Jahre 1480 bis 1523 zurück.

Beliebtes Ausflugsziel

Unter den Habsburgern büßte die Burg viel von ihrer Bedeutung ein und ging sodann in den Besitz der Adelsgeschlechter Schwarzenberg, Waldstein und Fürstenberg über. Die Burg brannte mehrmals aus, so auch bei einem großen Feuer 1826. Die großen Schäden machten eine Komplettrenovierung ab 1850 notwendig. Diese Erneuerungsarbeiten währten bis 1923.

Mit ihrem 42 Meter hohen runden Turm ist die Burg weithin sichtbar. Im Innern befinden sich  Ausstellungen von spätgotischer Malerei und Skulpturen und von Folterwerkzeugen. Die Burgkapelle mit ihrem kostbaren spätgotischen Altar und den geschnitzten Statuen der Apostel und der böhmischen Landespatrone ist besonders sehenswert.

Die Burg Pürglitz und die 680 Einwohner zählende gleichnamige Gemeinde gehören zu den am meisten besuchten Touristenzielen in Prags Umgebung und sind ganzjährig zugänglich. Ein Museum gibt über die Geschichte und bauliche Entwicklung der Burg und Umgebung Auskunft. In der Fürstenbergischen Bibliothek werden mehr als 24 000 Bände und Handschriften aufbewahrt. Im Sommer finden hier zudem Konzerte und Theateraufführungen statt.

Dieser Artikel erschien im LandesEcho 6/2017.

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