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Zwei Wochen Zukunft

Foto: Sommercamper beim Besuch in Temeswar - Foto: srö

Für 86 Jugendliche der deutschen Minderheiten aus acht Ländern begannen die Sommerferien in diesem Jahr mit einem zweiwöchigen Aufenthalt im rumänischen Valea lui Liman. Dort fand das bereits dritte internationale Sommercamp statt, das vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und dem Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit den Verbänden der deutschen Minderheiten organisiert wird.

In Rumänien waren besonders die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien (ADJ) und das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) an der Ausrichtung des deutschsprachigen Camps unter dem Motto „Europa verbinden – Jugend bewegen – Umwelt erhalten“ vom 3. bis 17. Juli beteiligt.

In der Natur um Valea lui Liman verabschiedeten sich die Jugendlichen weitgehend vom Plastikmüll, von Luftverschmutzung und umgekippten Gewässern ist in diesem Tal ebenfalls nichts zu bemerken. Auch den Stress des Schulalltags ließen sie hinter sich, um sich nun mit den Themen Umwelt, gesundes Leben und Minderheitengeschichte in anderen Ländern zu beschäftigen. Dafür standen ihnen mehrere Projektgruppen zur Wahl, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt für die zwei Wochen setzten.

Nachhaltigkeit schützt

Einen Blick in die Zukunft warfen dabei alle, besonders die Gruppe von Projektleiterin Miruna aus Bukarest (București) erklärte das von Anfang an zu ihrem Motto: „Odyssee 3016 heißt unsere Gruppe und wir sind die Überlebenden nach einer Apokalypse. Wir sollen die Ursachen davon besprechen und Lösungen finden. Dazu haben wir viele Spiele durchgeführt, um das Thema zu begreifen und auch Experimente gemacht. Sowieso waren wir viel in der Natur. Wir mussten dabei Wasser finden und ein Feuer entfachen. Beim ersten Mal ist es uns nicht gelungen, aber wir versuchen es nochmals und hoffentlich werden wir ein Feuer starten“, sagte Miruna am zweiten Tag des Sommercamps.

Ein Feuer entfachen – das ist den Jugendlichen auf jeden Fall gelungen. Wo zu Anfang noch Unsicherheit und vorsichtiges Herantasten an andere Teilnehmer sichtbar waren, hat sich nach zwei Wochen eine Gemeinschaft gebildet. Nicht nur den Jugendlichen merkt man das an, auch der Campleiter Ovidiu Albert ist begeistert: „Das ist mein zwölftes Feriencamp und das schönste, das ich je erlebt habe. Mein Hauptziel war, eine Gemeinschaft zu bilden, darunter sollten die Jugendlichen Freundschaften schließen und Natur erleben und dabei noch viel über den Umweltschutz lernen. Aber das Hauptziel waren Verbindungen oder Beziehungen unter Jugendlichen und das wurde auch zu 120 Prozent erfüllt.“

Für dieses Ergebnis wurden Grenzen überwunden, bis zu 18 Stunden Anfahrt aus der Ukraine gemeistert und eine gemeinsame Sprache gefunden, nämlich Deutsch. Das Camp wurde nicht umsonst für Jugendliche der deutschen Minderheiten ausgeschrieben. So konnten sich Jugendliche aus acht Ländern austauschen, ihre Sprachkenntnisse verbessern und Gleichaltrige aus Tschechien, Rumänien, Polen, Serbien, Russland, der Slowakei, Ungarn und der Ukraine kennenlernen.

Bunte Mischung

Bunt durchmischt wurden die angereisten Gruppen bereits bei der Verteilung auf die sechs angebotenen Projekte. Neben der Gruppe „Odyssee 3016“, die viel wanderte, Fahrrad fuhr und sich mit nachhaltigem Leben beschäftigte, gab es beispielsweise auch das Projekt „Umwelt im Alltag“. Hier arbeiteten die Teilnehmer direkt an der Gemeinschaft und zwar in Form eines Frühstücksradios. Jeden Morgen erzählten sie der speisenden Menge live vom anstehenden Programm, lieferten Wetterprognosen und aktuelle Nachrichten, spielten Musikwünsche und sorgten für einen angenehmen Tagesstart.

Die Hörfunkarbeit war nicht allen neu, Laura aus Polen sammelt bereits seit zwei Jahren in einem deutsch-polnischen Sender Erfahrung: „Hier in der Radiogruppe übernehme ich heute die Moderation. Für das Frühstücksradio haben wir eine Wunschbox gebastelt, die wir im Speisesaal aufstellen. Wir wollen auch Umfragen machen und Statistiken, die wir dann senden können.“

Dafür arbeitete die Radiogruppe auch außerhalb der drei Stunden Projektzeit pro Tag, wenn die „Fit für die Umwelt“- oder die „Sharing Economy“-Kollegen von ihren Ausflügen zurückkamen und direkt interviewt werden konnten. Besucht wurden neben den Wäldern und Radstrecken rings um das Tal im Kreis Timiş auch Dörfer der rumänischen deutschen Minderheit wie Sanktanna (Sântana) oder Wolfsberg (Gărâna), wo auch das internationale Jazzfestival erlebt wurde.

Die 80 Kilometer Entfernung nach Temeswar (Timişoara) mussten dann aber doch per Bus absolviert werden, auch wenn das Motto „Jugend bewegen“ ansonsten im gesamten Programm wahrgemacht wurde. Der Tagesausflug beinhaltete städtisches Kontrastprogramm zur Idylle inmitten der Natur um Valea lui Liman: ein paar Stunden in Museen, Besuche bei Radio Romania und im Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, aber auch Sightseeing an öffentlichen Plätzen und viele Fotos zur Erinnerung.

Viel bewegt

Im Sommercamp stand die Förderung von Motorik und Zusammenarbeit ganz weit oben auf dem Programm. Neben Länderabenden und einem Graffitiworkshop wurden zwar auch die EM-Spiele gemeinsam angeschaut, bei internen Fußball- und Volleyballturnieren, auf der Slackline, einem elastischen Band zum Balancieren, oder an der Tischtennisplatte wurde auch selbst viel Sport getrieben.

Dass die Mannschaften genau wie die Gesamtgruppe so gut harmonierten und sich während der Abschlusspräsentationen bis zur Heiserkeit bejubelten, war im Hinblick auf die Altersstufen nicht komplett abzusehen. Mit 17 Jahren nahm Lukáš aus Tschechien zum dritten und altersbedingt letzten Mal am Sommercamp teil. „Ich würde gerne noch einmal mitmachen, hier gibt es gutes Essen, ich habe Freunde gefunden aus verschiedenen Ländern und wir können auch baden im Pool, das ist toll. Aber leider bin ich nächstes Jahr schon zu alt“, resümiert er. Ádám aus Ungarn bedauert das auch: „Ungarn ist zum ersten Mal dabei und ich genieße das Sommercamp sehr, aber noch einmal werde ich nicht herkommen können.“

Noch viele Sommercamps könnte hingegen Nora aus Bukarest erleben. Mit 13 Jahren ist sie eine der Jüngsten hier. „Wir haben viel gelernt über Umweltschutz, Mülltrennung und wie man Wasser und Strom spart. Alles ist gut an diesem Camp, ich will unbedingt beim nächsten dabei sein“, sagte sie freudig, aber auch schon bedauernd am letzten Abend vor der Rückfahrt. Alter spielte aber selten eine Rolle, genau wie die Heimatländer der Jugendlichen. Überall auf dem Gelände, das direkt im Tal von Bächen, Hangwäldern und Vogelzwitschern umgeben ist, saßen Gruppen zusammen, die sich bunt gemischt auf Deutsch und mit gegenseitig beigebrachten Sprachfetzen unterhielten.

Gelungener Abschluss

Rolf Maruhn, deutscher Konsul in Temeswar, honorierte das Interesse der Jugendlichen in seinem Grußwort zu den Abschlusspräsentationen der Projektgruppen: „Dieses romantische Tal gibt sicher auch die Gelegenheit dazu, konzentriert zu arbeiten. Besonders beeindruckt bin ich davon, wie lange Anfahrtswege Sie auf sich genommen haben.“ Auch Christa Ganterer, Leiterin der Sprachabteilung und stellvertretende Leiterin des Goethe-Instituts Bukarest, bedankte sich bei den 21 Betreuern vor Ort für ihr Engagement und den Jugendlichen für ihre Motivation. „Wenn ich diese frohen Gesichter jetzt sehe, muss es gut gelaufen sein“, betonte sie lächelnd vor den versammelten Teilnehmern.

Vonseiten der deutschen Minderheit Rumäniens reisten auch Adelheid Simon, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien und Benjamin Józsa, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien an. Von den Präsentationen der Projektarbeit, die auf unterschiedlichste Weise von Videos, über eine Modenschau mit Upcycling-Kleidung, Liedern, Quizshow, Plakaten bis Tanz abliefen, waren die geladenen Gäste ebenso begeistert wie die Jugendlichen anderer Gruppen und der Applaus wollte kein Ende nehmen. Doch mit der Aussicht auf ein letztes gemeinsames Abendessen in diesem Jahr sowie der anstehenden Abschlussparty löste sich die Versammlung auf und erste vorgezogene Abschiedstränen konnten schnell getrocknet werden.

Seit September 2015 haben die Organisatoren zusammen geplant und organisiert, im kommenden Monat beginnen bereits die Planungen für das Sommercamp 2017, voraussichtlich in Polen. Die Jugendlichen sind jetzt schon Feuer und Flamme dafür und können es kaum erwarten, sich erneut zu treffen.

Viele Eindrücke und Bilder vom Sommercamp 2016 in Valea lui Liman und den zurückliegenden Sommercamps in Tschechien und Polen gibt es bei Facebook: hier.

Dieser Artikel erschien im LandesEcho 7/2016.

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