Wie leben Deutsche in Tschechien? Wie leben Tschechen in Deutschland? Welche Geschichten können diese Menschen über das Leben im jeweiligen Nachbarland erzählen? Mit welchen Herausforderungen sind sie im alltäglichen Leben konfrontiert? Die Projektgruppe „My hier & Wir tady“ führt Gespräche mit Menschen mit einer deutsch-tschechischen Lebensgeschichte.

Zu Beginn der elften Amtszeit des Deutsch-tschechischen Jugendforums im September 2019 fanden sich die fünf Studierenden Thomas Vaughan, Mathilde Stangenberger, Kateřina Kadlecová, Barbora Koláčková und Anna Benišová zusammen und begannen mit der Planung eines journalistischen Projekts, welches das Leben der Deutschen in Tschechien und der Tschechen in Deutschland beleuchten soll. „Unser Vorbild war der Online-Blog ‚Humans of New York‘, diese Seite, bei der Menschen auf der Straße angesprochen, fotografiert und nach der Lebensgeschichte gefragt werden. Und das wollten wir auf der Ebene der deutsch-tschechischen Beziehungen umsetzen“, erklärt die 25-jährige Studentin Mathilde Stangenberger. Demnach sollten in dem Projekt nicht etwa bekannte Persönlichkeiten aus dem deutsch-tschechischen Kontext porträtiert werden, sondern „einfache“ Menschen aus dem Alltag. „Wir wollen das alltägliche Leben zeigen, welche Hürden und Hindernisse es gibt. Dass nicht immer alles ‚Friede Freude Eierkuchen‘ ist, sondern dass es auch Schwierigkeiten geben kann, wenn man in ein anderes Land zieht“, führt Mathilde aus.

Die Jugendlichen fragten ihre Gesprächspartner – Angehörige aller Berufs- und Altersgruppen – also zum Beispiel, was sie zum Umzug in das Nachbarland bewog, welche Herausforderungen es dabei gab oder wie sich der Blick auf das jeweils andere Land dadurch verändert hat. Die Gruppe möchte ein möglichst breites Bild und die vielfältigen Facetten der deutsch-tschechischen Beziehungen darstellen.

Wahrnehmung von Grenzen hat sich verändert

Die meisten Interviews führte die Projektgruppe bereits vor der Corona-Pandemie und den deutsch-tschechischen Grenzschließungen. Doch das aktuelle Motto des Jugendforums „Meine, deine, unsere Grenze(n)“ erlangte ab dem Frühjahr 2020 eine ganz neue thematische Dynamik und Aktualität, was sich auf die Fragestellungen der Projektgruppe auswirkte. „Wir fragten unsere Gesprächspartner auch nach ihrer Wahrnehmung von Grenzen. Da war es im Zuge der Pandemie spannend zu schauen, wie sich die deren Wahrnehmung verändert hat“, sagt Stangenberger. Deshalb kontaktierten sie einige Gesprächsteilnehmer später erneut. Im Zuge der deutsch-tschechischen Grenzschließungen sei den Interviewpartnern zum Beispiel die Existenz von Grenzen laut Stangenberger bewusster geworden, aber ebenso auch die Freiheit, einfach so eine Grenze überqueren zu können.

Vergleiche man Altersgruppen miteinander, so könne man laut Projektmitglied Kateřina Kadlecová aber feststellen, dass nationale Unterschiede für jüngere Menschen immer weniger eine Rolle spielen. Ältere bezögen sich – logischerweise – öfter auf die Vergangenheit, so die 23-jährige Studentin.

Die Interviews veröffentlicht die Gruppe in den sozialen Medien, auf Facebook und Instagram, aber auch hier im LandesEcho werden sie in den kommenden Ausgaben zu lesen sein.