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„Sprache ist der Schlüssel einer Identitätswahl“

Foto: Hartmut Koschyk - Bild: LE/tra

Hartmut Koschyk verließ am 1. November das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, das er seit 2014 innehatte. Er geht nun in den „politischen Unruhestand“, wie er selbst sagt. Beim Zusammentreffen der deutschen Minderheit in Tschechien mit Kulturmittlern und Regierungsvertretern Deutschlands und Tschechiens auf Einladung der Deutschen Botschaft in Prag, erzählte er dem LandesEcho, wie er die Zukunft der Minderheitenförderung sieht.

LE: Was hat Sie in ihrem Amt als Bundesbeauftragter am meisten überrascht?

Mich hat überrascht, welche positive Entwicklung viele der deutschen Minderheiten in den letzten 25 Jahren zurückgelegt haben. Ich habe die Anfänge vor 25 Jahren verfolgt, habe immer versucht das auch im Blick zu behalten.

LE: Die Erwartungen an den Bundesbeauftragten sind relativ hoch, von Seiten der Minderheiten aber auch von Seiten der deutschen Regierung. Wie balanciert man das aus?

Ich glaube, das ist ein wichtiges Th ema deutscher Politik und deshalb wünsche ich mir, dass dieses Amt wirklich auch innerhalb der Bundesregierung noch gestärkt wird. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, den ich mit Vertretern der nationalen Minderheiten in Deutschland gerade besucht habe, sagte: „Minderheitenpolitik ist präventive Friedenpolitik“. Dieser Meinung unseres Bundespräsidenten kann ich nur zustimmen.

LE: Was sollten denn ihrer Meinung nach die wichtigsten Felder der Minderheiten-Förderung in Zukunft sein?

Sprache ist der Schlüssel einer Identitätswahl einer Minderheit und diesem Th ema müssen wir auch von Deutschland aus noch intensiver und noch zielgerichteter unsere Aufmerksamkeit widmen. Es freut mich sehr, dass es mir gelungen ist, noch eine interministerielle Arbeitsgruppe zwischen Auswärtigem Amt und Innenministerium zu installieren, die für die Bundesregierung und den Bundestag im Dialog mit den Minderheiten aber auch mit wichtigen Mittlern aus der Wissenschaft Empfehlungen dafür erarbeiten soll. Wir müssen von Deutschland aus hier mehr tun und auch mehr Geld in die Hand nehmen.

LE: Was nehmen Sie denn für Erfahrungen aus ihrem Amt mit in den „politischen Unruhestand“?

Es gibt Themen, mit denen ich mich immer durch ehrenamtliches Engagement verbunden gefühlt habe, ob nun im „Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland“ oder der „Stiftung Verbundenheit mit den deutschen im Ausland“. Deshalb möchte ich die Entwicklung deutscher Minderheiten in Europa und den GUS-Staaten aber auch deutscher Gemeinschaften in Übersee weiterhin ein Stück ehrenamtlich begleiten. Sowohl in Polen als auch in Tschechien leben Angehörige meiner Familie und der Familie meiner Frau heute als Angehörige einer Deutschen Minderheit und deshalb ist es ein Thema, das auch mit meiner Identität zu tun hat. Deshalb werde ich diesem Th ema über mein Ausscheiden aus dem Amt des Bundesbeauftragten hinaus verbunden bleiben.

LE: Wo sehen Sie denn die größten Baustellen der Minderheiten-Förderung gerade in Tschechien?

Die deutsche Minderheit in Tschechien ist auf einem guten Weg. Wir müssen der deutschen Minderheit in Tschechien helfen, dass sie die Strukturen, die sie sich in den 25 Jahren auch mit deutscher und tschechischer Hilfe aufgebaut hat, nachhaltig gestärkt werden. Wir müssen noch mehr unterstützen bei der Jugendarbeit und auch das Thema deutsche Sprache als Minderheitenmuttersprache erfordert noch mehr Anstrengungen von deutscher und tschechischer Seite.

Das Gespräch führte Tomáš Randýsek. Es erschien im LandesEcho 10/2017.

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