Das Prager Theaterfestival deutscher Sprache, das am Sonntag startet, ist wie ein Theatertreffen in klein. Regelmäßig treten hier die besten deutschsprachigen Theaterinszenierungen auf. Das ist in diesem Jahr nicht anders. LandesEcho gibt einige Empfehlungen. Wer noch eine Karte ergattern will, muss allerdings schnell sein.

Unter dem Motto Schluss mit Lustig beginnt am Sonntag bereits zum 23. Mal das Prager Theaterfestival der deutschen Sprache. Auch in diesem Jahr kommt eine wertvolle Auslese des gesamten deutschen Sprachraums in die Moldaustadt. Die langjährige Festivaldirektorin Jitka Jílková hat gemeinsam mit Festivaldramaturg Petr Štědroň acht Inszenierungen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg sowie der Schweiz ins Programm aufgenommen. Da alle Theaterveranstaltungen ins Deutsche gedolmetscht und übertitelt werden, können am Theaterfestivalgeschehen alle Gäste ohne Spracheinschränkungen teilnehmen. Um möglichst vielen Theaterbesuchern ein Ticket zu ermöglichen, wird der Großteil der Theaterinszenierungen gleich zweimal aufgeführt.

Judith Hermann, Foto: Gaby Gerster

Das Theaterfestival wird am 18. November mit dem Stück Die Zehn Gebote in eine Aufführung des Wiener Volkstheaters eröffnet. Der deutsche Theaterregisseur Stephan Kimmig hat darin zehn fesselnde Geschichten nach der gleichnamigen Filmvorlage von Krzystof Kieślowski miteinander verflochten. Zum gemeinsamen Nenner werden die Suche nach einem festen Halt und Orientierung in der heutigen Welt. Während des dreistündigen Stückes, das in einer Warschauer Vorstadt während der späten 1980er Jahre spielt, treten sieben Protagonisten und zwei Kinder in mehr als dreißig Rollen auf. Ohne pathetisch zu werden bieten sie den Zuschauern einen tiefen und echten Einblick in unsere Leben an.

Zu den Stargästen des diesjährigen Theaterfestivals gehört die erfolgreiche Berliner Schriftstellerin Judith Hermann. Sie wird am 21. November im Studio 1 des Tschechischen Rundfunks aus ihrer neusten Erzählsammlung Lettipark vorlesen. Darin schreibt sie über die entscheidenden Begegnungsmomente, in denen verliebte sowie ganz fremde Menschen einander treffen. Mit Hermanns Buch können sich nun auch tschechische Leser bekannt machen, denn es wird bei uns in der tschechischen Fassung erscheinen.

Im neuen Saal  DOX+ des Zentrums für Gegenwartskunst DOX wird am 23. und 24. November die Theaterinszenierung Die Odyssee. Eine Irrfahrt nach Homer in der Version des Hamburger Thalia Theaters aufgeführt. Hausregisseur Antú Romero Nunez beschäftigt sich darin mit den beiden Söhnen des Geschichteerzählers Odysseus, Telemach und Telegon, die um die Gunst und Liebe ihres bereits verstorbenen Vaters miteinander ringen. Sie sprechen miteinander eine eigene Phantasiesprache, die stark an Schwedisch erinnert.

Die Odyssee, Foto: Armin Smailovic

In Zusammenarbeit mit dem Akcent-Festival des Prager Theaters Archa wird am 24. und 25. November, die Inszenierung Five Easy Pieces des berühmten Schweizer Regisseurs und Filmemachers Milo Rau und seines International Institute of Political Murder (IIPM) aufgeführt. 2017 mit der Theaterinszenierung des Jahres ausgezeichnet, bringt er mit dem Genter Theater Campo ein berührendes, kunstvolles Drama über den belgischen Kindermörder Marc Dutroux zur Aufführung. Darin greift Rau nicht nur das Schicksal des Mörders, sondern auch die Geschichte Belgiens auf. In den Rollen treten Kinder und Jugendliche von 8 bis 13 Jahren auf, deren empfindsame Darbietung zu einem besonderen Umgang mit der Trauer anregt.

Auf der Neuen Bühne des tschechischen Nationaltheaters können Zuschauer am gleichen Wochenende einen klugen, tiefen und dabei sehr unterhaltsamen Theaterabend erwarten. Auf dem Programm steht Unendlicher Spaß in der Regie von Thorsten Lensing. In dem Stück nach der gleichnamigen Romanvorlage von D. F. Wallace treten mit einem Gefühl für existenziell trostlose Komik Schauspielstars wie Ursina Lardi, Devid Striesow und Sebastian Blomberg auf.

Für den diesjährigen Festivalhöhepunkt sorgt die Inszenierung Richard III. in der Darbietung der Berliner Schaubühne unter der Leitung des Regisseurs Thomas Ostermeier. Das dynamische Stück über die Machtbesessenheit wird am 30. November und 1. Dezember auf der Bühne des Ständetheaters mit dem herausragenden Lars Eidinger in der Hauptrolle aufgeführt.

Außer den Aufführungen auf den traditionellen Prager Bühnen bietet das Festival der deutschen Sprache ein vielfältiges Off-Programm, das sich an außergewöhnlichen Prager Plätzen abspielen wird. Dazu gehören die Villa Štvanice, die Eliade-Bibliothek des Theaters Am Geländer und das Planetarium.

Mehr zum Programm auf www.theater.cz

Unendlicher Spaß - Ursina Lardi und André Jung, Foto: David Baltzer